Thomas Macho, einer von Österreichs bedeutendsten Kulturwissenschaftlern, hielt im WEI SRAUM DESIGNFORUM einen Vortrag zum Thema „Utopien. Wie wir die Zukunft entwerfen„. Für unsere Kultur- und Jugendsprecherin ein Thema, das gerade im Kontext der politischen Gestaltung interessant ist.

Von Retrotopie, Utopie und Dystopie

Wenn wir uns die Zukunft vorstellen – wie wir leben werden, welche Gesellschaftsordnung unserem Zusammenleben zugrunde liegt und welche kulturellen, ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen wir vorfinden – sind wir Menschen oft allzu pessimistisch.

Bei technischen Neuerungen fragen wir zuerst: „Was wird daran nicht funktionieren?“. Positive Visionen* und Utopien gehen zunehmend unter und müssen wiederkehrenden Retrotopien und nostalgischen Blicken in die Vergangenheit weichen. Für die Zukunft bleibt gerade im digitalen Zeitalter der Synchronität und Konfrontation mit allem, was auf der Welt passiert, keine Zeit.

*Zitat von Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Es braucht positive Visionen

Thomas Macho richtet einen erfrischenden Appell an alle Entscheidungsträger, Kritiker und Gestalter unserer Welt. Anstatt sich mit möglichen negativen Auswirkungen von technischen, gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen… Innovationen zu beschäftigen, sollten wir uns die Frage stellen: Was kann daraus werden?

Als Gegenpol zur Dystopie braucht es positive Ideen. Es muss bewusst Raum für die Gestaltung der Zukunft geschaffen werden: in Klassenzimmern, in den Medien und ganz besonders in der politischen Auseinandersetzung.

Der Jugend mehr Raum geben

„Wir sollten uns mehr um die kümmern, die jung sind“, erklärt Macho. Mit dem Hinweis, dass früher eigentlich gar nicht alles besser war schlägt er vor, sich mehr mit den Errungenschaften und Vorzügen des aktuellen Zeitalters zu beschäftigen, als mit den Nachteilen. Der Blick in die Vergangenheit sei oft verklärt und entspreche nicht den tatsächlichen Lebensumständen. „Wir sind sehr viel anspruchsvoller geworden.“

Die Politik steht vor der Herausforderung, die Bevölkerung jetzt vom Verzicht (Beispiel: Klimaschutz) zu überzeugen, dessen positiven Effekte sich jedoch erst langfristig – über ihr Leben hinaus – zeigen werden. Mehr auf die Jugend unserer Gesellschaft zu hören könnte dabei helfen, diese gesellschaftlichen Widersprüche aufzulösen.